ADHS bei Erwachsenen
Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivitätsstörung im Erwachsenenalter

Die Erstdiagnose ADHS ist bei Erwachsenen kein einfaches Unterfangen und bedarf einer fachkundigen Diagnostik. Man kann davon ausgehen, dass eine recht hohe Anzahl von Patienten im Erwachsenenalter bisher nicht diagnostiziert und therapiert werden und sie dadurch vermeidbar hohes Leid im Berufs- und Privatleben erleiden.

In den letzten Jahrzehnten ist das Krankheitsbild ADHS zunehmend erforscht und auch öffentlich diskutiert worden. Deutlich mehr Kinder als in der Vergangenheit erhalten frühzeitig eine psychotherapeutische und/oder medikamentöse Behandlung. Die Genese bleibt weiterhin unklar, es ist jedoch eine genetische Disposition zu verzeichnen. Man kann davon ausgehen, dass Geschwister 3-5 mal häufiger ADHS wie Nicht-Geschwister haben und biologische Eltern von ADHS Erkrankten in etwa 18% der Fälle ebenfalls betroffen sind. Auch sind deutlich mehr Jungen / Männer als Mädchen / Frauen betroffen. Mit der Volljährigkeit hört die Symptomatik nicht einfach auf, sie verändert sich allerdings mit dem Alter und wird tendenziell milder von der Ausprägung, bleibt aber bei etwa 50% aller Betroffenen weiter bestehen. Besonders der Bereich Hyperaktivität schwächt sich bei Erwachsenen deutlich ab oder verschwindet ganz.

Kernsymptome einer ADHS sind: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität.

Dadurch resultieren verschiedene Beeinträchtigungen / Besonderheiten im Alltag:

  • Schwierigkeiten systematisch zu planen und sich selbst zu organisieren
  • Tätigkeiten werden angefangen aber nicht bis zum Ende ausgeführt
  • Lern- und Arbeitsstörungen mit leichter Ablenkbarkeit
  • Keine Multitasking-Fähigkeit
  • Arbeiten mit viel Denkvermögen oder unangenehme Tätigkeiten werden verzögert, bis Druck des Umfeldes ein Ausweichen nicht mehr zulässt
  • Erhöhte Vergesslichkeit
  • Leichte Ablenkbarkeit beim Lesen und Tätigkeiten bei denen Konzentration gefragt ist
  • Aufmerksamkeitsprobleme bei längerem Zuhören
  • Schwierigkeiten im Umgang mit Autoritätspersonen und mit Anweisungen
  • Geringere Bildungsabschlüsse als Fähigkeit und IQ erwarten lassen würden
  • Mangelndes Zeitgefühl
  • Insuffizienzgefühle und Gefühl Ziele nicht zu erreichen
  • Unfähigkeit Langeweile zu ertragen, Ungeduld und geringe Frustrationstoleranz
  • Aversion bei Aufschub von Belohnungen
  • Ruhe- und Rastlosigkeit, Getriebenheit
  • Motorische Unruhe, Arme und Beine oft in Bewegung
  • Suche nach starken Reizen und Stimulationen, erhöhtes Risikoverhalten
  • Spontane und tendenziell unüberlegte Handlungen
  • Schnelles Aufbrausen ohne sehr Nachtragend zu sein
  • Unterschätzung von Gefahrenmomenten und damit höhere Unfallrate
  • Starke Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Neigung zu Zynismus
  • Hohe Kreativität und Begeisterungsfähigkeit
  • Hyperfokus, der bei spannenden Tätigkeiten im Interessensgebiet zu langem, ausdauerndem und konzentriertem Arbeiten an bestimmten Themen führen kann.
  • Ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und hohe Sensibilität für zwischenmenschliche Situationen, erhöhte Hilfsbereitschaft in Notsituationen
  • Besondere Begabungen im Leistungssport
  •  

Bei der Diagnostik ist das Bestehen der Symptomatik seit der Kindheit unabdingbar. Wichtig ist auch, dass die Symptomatik in verschiedenen Bereichen (Schule, Arbeit, Familie, Freundeskreis) auftritt und für einen längeren Zeitraum bestehen bleibt. Folgende Begleiterkrankungen finden sich besonders oft bei einer ADHS Erkrankung:

  1. Stoff- und nichtstoffgebundene Süchte
  2. Affektive Störungen wie Depression, Manie und bipolare Störungen
  3. Angststörungen
  4. Persönlichkeitsstörungen
  5. Somatisierungsstörungen (körperliche Störungen ohne organische Ursache)
  6. Prämenstruelles Syndrom
  7. Schlafstörungen

 ADHS Therapie:

ADHS bei Erwachsenen kann mit einer medikamentösen Therapie (Methylphenidat oder Atomoxetin) in Verbindung mit einer Verhaltenstherapie sowie einer positiven Gestaltung des Umfeldes erfolgreich behandelt werden. Eine frühzeitige und auf den Klienten maßgeschneiderte Therapie ist dringend anzuraten, bevor Patienten beruflich und familiär in Sackgassen geraten. Ziel der Behandlung ist es, das individuell unterschiedliche vorhandene Potenzial eines jeden Betroffenen so weit wie möglich auszuschöpfen, die sozialen Fähigkeiten auszubauen und eventuelle Begleitstörungen zu behandeln. Betroffene sollen Kompetenz im Umgang mit ihren ADHS-Besonderheiten erlangen. Zielsetzung kann z.B. eine verbesserte Selbststeuerung oder eine Stärkung des Selbstwertgefühls sein.

Bei leichten Störungen ist auch ein Coaching-Ansatz zu befürworten um die Coping-Strategien des Einzelnen weiter zu optimieren. Die Einbeziehung des direkten Umfeldes im Rahmen einer Aufklärung und Beratung ist anzuraten um Verständnis über und im Umgang mit der Krankheit zu erzielen. Hier gibt es sowohl im Internet als auch in der Literatur zahlreihe einschlägige Werke.

Bei klarer Indikationsstellung können die Kosten sowohl für die Verhaltenstherapie als auch medikamentösen Behandlung von der Krankenkasse übernommen werden.

 

Dr. med. Heike Melzer
Arzt Praxis für Coaching & Psychotherapie — Paar- und Sexualtherapie

Paradiesstr. 9
80538 München
Anfahrt →

089-55278322
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