Sexualtherapie und Sexualberatung

„Die Wirklichkeit, die Wirklichkeit trägt wirklich ein Forellenkleid und dreht sich stumm, und dreht sich stumm nach anderen Wirklichkeiten um.“ André Heller

1. Wann kann eine Sexualtherapie sinnvoll sein?

Sexualität kann „bunt“ sein. In einer langjährigen Beziehung verblassen die Farben aber oftmals bis zu einem „Schwarz-Weiß-Niveau“. Die Lust unterliegt keiner mathematischen Formel, und doch stellt sich nach einiger Zeit der Partnerschaft oftmals eine Lustlosigkeit ein, die Quantität und Qualität sexueller Begegnung nimmt ab. Die Gespräche der Anfangszeit über das gegenseitige Empfinden und das experimentelle Entdecken des anderen wird abgelöst durch Routine, Pflicht, Schweigen, Verständnislosigkeit und Verzweiflung. Manchmal gehört das Thema Sexualität zu den großen ex-kommunizierten Bereichen des Paares, es wird nicht mehr darüber gesprochen, da hier die Fettnäpfchen im Nanometerbereich stehen. Die Sexualität, die das Paar initial einzigartig verschmolzen und größer gemacht hat, gerät in eine Negativspirale und lässt beide am Ende kleiner dastehen. Manchmal ist auch das Thema Sexualität ein Druckmittel, derjenige mit dem geringeren Bedürfnis führt (wie auch sonst im Leben). So werden versteckte Paarkonflikte auch um Macht manchmal auf einer sexuellen Ebene ausgetragen.

Es gibt in meinem Denken keine klassische Norm in der Sexualität, und ich bin offen für unterschiedliche Lebensmodelle und sexuelle Ausdrucksformen. Erlaubt ist, was gefällt, sofern es konform mit dem Gesetz verläuft. Das Leben und die Liebe kennt eine Vielzahl von Gesichtern, und das ist auch gut so. 

Die Partnerschaft wird immer eine Gratwanderung zwischen symbiotischen Verschmelzungen und Streben nach Individualismus sein. Hinzu kommt, dass es viele, teilweise unausgesprochene Tabus gibt, die Paaren oftmals nur sehr unzureichend bewusst sind, deren Vorhandensein aber zu Missverständnissen und Blockaden in der Partnerschaft führen können.

Eine Störung liegt erst vor, wenn ein Leidensdruck entsteht. Wie so oft ist der Leidensdruck unterschiedlich in der Paarbeziehung verteilt, genauso wie sexuelle Entwicklungen oftmals asymmetrisch verlaufen. Über das Thema lässt es sich selbst mit besten Freunden kaum sprechen, deshalb machen viele Personen bei Schwierigkeiten das Thema mit sich alleine aus.

Eine Sexualtherapie als Einzelperson kann bei Leidensdruck sinnvoll sein,

  • wenn bestimmte sexuelle Neigungen oder Präferenzen Probleme bereiten (BDSM, Fetisch, Voyeurismus, Bisexualität, Gruppensex etc.) und exzessiv im Rahmen eines Doppellebens gelebt werden
  • wenn eine Sexsucht oder Pornosucht besteht
  • wenn keine sexuellen Erfahrungen vorliegen bei gleichzeitigem Wunsch nach Nähe und Intimität
  • wenn moralische Vorgaben und gelebtes Leben unüberbrückbare Differenzen mit sich bringen
  • bei Funktionsstörungen wie Erektionsstörungen, Vaginismus, vorzeitiger Samenerguss, Störungen beim Orgasmuserleben
  • wenn traumatische Erfahrungen aus der Vergangenheit bestehen (sexuelle Übergriffe, Gewalterfahrung)
  • wenn körperliche Themen dazu führen, dass Sexualität angstbesetzt ist (Behinderungen, starker Haarwuchs, zu kleine(r)/große(r) Penis oder Brüste, Adipositas, Hauterkrankungen etc.)
  • wenn Sie unter einer generellen Lustlosigkeit leiden oder einen zu starken Sexualtrieb haben
  • wenn der Sexualtrieb erhöht ist und es hierdurch zu impulsivem und gefährlichem Verhalten kommt (ungeschützter Sexualverkehr mit Prostituierten oder auf Sexpartys, extrem hohe Promiskuität)
  • wenn sexuelle Fantasien Angst auslösen, sich aber immer wieder aufdrängen
  • wenn sexuelle Triebe zu Straftaten führen
  • wenn hormonelle Veränderungen Ihnen Probleme bereiten (Wechseljahre, Anti-Testosterontherapie, Kinderwunschbehandlung)

Eine Sexualtherapie als Paar kann bei Leidensdruck sinnvoll sein,

  • wenn stark voneinander abweichende Bedürfnisse der Partner innerhalb der Sexualität die Beziehung beeinträchtigen
  • wenn über das Thema Sexualität nicht mehr gesprochen wird und die Partner sich untereinander verloren haben
  • wenn eine Affäre die Integrität der sexuellen Ausschließlichkeit durchbrochen hat und nach einer Lösung für einen zukünftigen gemeinsamen Weg gesucht wird
  • wenn sexuelle Funktionsstörungen bestehen (Vaginismus, Erektionsstörungen, vorzeitiger Samenerguss etc.)
  • wenn Lustlosigkeit die Beziehung dominiert und das sexuelle Interesse verloren gegangen ist
  • wenn unerfüllter Kinderwunsch zu einem unbefriedigenden Sexualleben führen
  • wenn Tabus und moralische Bedenken zu einer unbefriedigenden Sexualität führen
  • wenn Lebenspassagen (Geburt von Kindern, bevorstehender Ruhestand, Arbeitslosigkeit, Stress, Krankheiten) Störungen für das Sexualleben mit sich bringen

2. Was passiert in einer Sexualtherapie?

Ich arbeite mit Einzelklienten und Paaren immer in integrativen Verfahren, bei denen u.a. systemische, verhaltenstherapeutische, hypnotherapeutische und tiefenpsychologische Methoden in der Therapie zum Einsatz kommen. Ich respektiere dabei die Grenzen der Klienten (was erzählt wird und was nicht, welche Aufgaben gemacht werden und welche nicht). Von meiner Arbeitsweise bin ich eher direkt und wenig moralisierend. Es geht weniger um die Klärung der Schuldfrage, als vielmehr um die Nutzung der vorhandenen Ressourcen, die dem Paar bzw. dem Klienten zur Verfügung stehen. Ich arbeite mehr im Hier und Jetzt mit Blick in die Zukunft, räume aber auch Schuldthemen und unbearbeiteten Konflikten aus der Vergangenheit einen Stellenwert ein, sofern es notwendig erscheint. Paarkonflikte und Sexualität lassen sich oftmals nicht wirklich trennen, deshalb berücksichtige ich auch das Paar als ganzheitliches System in meinen therapeutischen Betrachtungen. Zulassen und Ertragen von Differenzen, Verhandeln von Sexualität, Verkleinern des ex-kommunizierten Bereichs, Neugier auf den Partner, Zuhören, Ausprobieren, Zulassen von Andersartigkeit und vieles mehr könnten Wege aus der Negativspirale sein. Die Klienten erhalten teilweise Hausaufgaben, um Gedankenprozesse in Gang zu setzen und neue Erfahrungen zu sammeln. Sexualität geht primär über den Kopf. Mir geht es zunächst darum, neue Blickwinkel und damit neue Arbeitsansätze zu finden. Es finden keine „Anfassübungen“ in der Therapie statt, die Therapie basiert auf dem Gespräch. Mein besonderes Interesse gilt den Themen Tabubrüche und Doppelleben.

3. Wie lange dauert eine Sexualtherapie?

Die Varianz reicht von einer bis 20 Sitzungen, der Durchschnitt liegt bei 3 bis 7 Therapieeinheiten. Sitzungen können wöchentlich oder auch über einen längeren Zeitraum abgehalten werden. Die Dauer der einzelnen Sitzungen beträgt 50 oder 80 Minuten.

4. Was kostet eine Sexualtherapie?

Sitzung (Einzel/Paar): 170,- € (50 Min.) / 260,- € (80 Min.). Im Krankheitsfall werden die von mir in Rechnung gestellten Kosten von allen privaten Krankenkassen übernommen.

 

Dr. med. Heike Melzer
Arzt Praxis für Coaching & Psychotherapie — Paar- und Sexualtherapie

Paradiesstr. 9
80538 München
Anfahrt →

089-55278322
E-Mail schreiben

 

 

 

 

 
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