Pornographie- und Sexsucht

Sexsucht geht mit einem gesteigerten sexuellen Verlangen bzw. sexuell motivierten Handeln einher. Das Spektrum geht von unkontrolliertem Konsum von Pornografie, Telefonsex, Cybersex, Sex-Chat mit Masturbation bis hin zu einer erhöhten Promiskuität mit teilweise erschreckendem Risikoverhalten einher. Oftmals beginnt die Sucht harmlos aus Neugier, denn das Angebot im Internet scheint grenzenlosen Spaß und Befriedigung zu versprechen. Langsam stellen die Betroffenen jedoch eine Steigerung der Reizschwelle fest. Immer ausgefeilter wird nach dem süchtigen Kick gesucht bei gleichzeitigem Ausbleiben von tatsächlicher nachhaltiger Befriedigung.

Da Sexsucht und Masturbation häufig Hand in Hand gehen findet bei den Betroffenen allmählich eine Konditionierung auf bestimmte Reize statt. Es müssen bestimmte Bilder oder Videos gesehen werden und der Reiz muss in bestimmter genau definierter Weise erfolgen um das gewünschte Ziel zu erreichen. Sexpartner sind einen Klick entfernt oder stehen frei käuflich zur Verfügung. Der Film der Lust läuft auf der Netzhaut des Betrachters und weckt bisher unbekannte Wünsche und Impulse, die nach Umsetzung suchen. Bei gleichzeitiger Steigerung der Reizschwelle nimmt die Erregbarkeit ab und führt bis zur Abstumpfung. Es stellen sich nicht selten sexuelle Funktionsstörungen (Erektionsstörungen, Orgasmus-Hemmung, vorzeitiger Samenerguss) im direkten Partnerkontakt als Spätfolgen ein. Konflikte in der Partnerschaft, fahrlässiger Umgang mit Datensicherheit im Beruf, Vernachlässigung des Umfeldes, der Familie und von Interessen sowie eine hohe finanzielle Belastung sind mögliche vorprogrammierte Folgen.

Ähnlich wie bei stoffgebundenen Süchten (z.B. Alkohol) stellt das Suchtmittel der Sexsucht einen Versuch der Lösung eines Problems dar. Es verspricht einzigartige Aufregung und Entspannung, es macht schlecht Gefühle kurzfristig weg, es lässt einen in der Phantasie potent erscheinen und verspricht Lust und Aufregung. Es ist die Belohnung für die Mühen des Tages die man auf sich nimmt, es verschafft Erleichterung ohne beim Partner betteln zu müssen und sorgt für Abwechslung und Abenteuer.

Im wahren Leben finden die Betroffenen jedoch häufig nicht die Bestätigung die Sie bräuchten. Hier schauen viele auf eine nicht mehr sehr glückliche Beziehung, auf Schwierigkeiten im beruflichen Alltag oder in der Familie. Der Spagat aus Wünschen und Wirklichkeit wird immer größer, was den Ausstieg aus der Sucht weiter erschwert. Betroffene stellen die Sucht erst fest, wenn sie schon selber kaum noch in der Lage sind sich daraus zu befreien. Versuche der Abstinenz finden statt, die nach kurzem Intervall wieder verworfen werden. Angehörige reagieren betroffen, wenn sie das Ausmaß der Sucht erfassen. Dies geschieht oftmals unfreiwillig durch Nachlässigkeiten oder durch einen unfreiwilligen Blick hinter die Fassade, denn Spuren in der Welt des Internet werden hinterlassen und gefunden oder ein Lügengebäude fällt bei Unplausibilität irgendwann zusammen.

Raus aus dem Teufelskreis:

Zu Beginn steht die eigene Erkenntnis eine Suchterkrankung zu haben. Die folgenden Fragen können hier hilfreich zu einer Selbsteinschätzung sein:

  • Liegt ein sexueller Missbrauch in der Kindheit oder Jugend vor?
  • Hatten Ihre Eltern sexuelle Probleme?
  • Verschaffen Sie sich regelmäßig Zugriff auf pornographisches Material?
  • Beschäftigen Sie sexuelle Gedanken oftmals am Tag?
  • Halten Sie ihr sexuelles Verhalten selber für problematisch und unangemessen?
  • Beschwert sich ihr Partner über ihr sexuelles Verhalten und gab es hier in der Vergangenheit Vorwürfe oder Konflikte?
  • Vernachlässigen Sie Hobbies, die Arbeit oder Freunde und Familie wegen ihrer sexuellen Handlungen und Vorlieben?
  • Fällt es Ihnen schwer unangemessenes Sexualverhalten aufzugeben?
  • Fühlen Sie sich nach dem Konsum von explizitem Material oder dem Geschlechtsverkehr schuldig und schlecht?
  • Machen Sie sich Sorgen, dass Sie bei sexuellen Handlungen erwischt und angeprangert werden könnten?
  • Gefährden Sie Ihre und / oder die Gesundheit Ihres Partners durch sexuelle unkontrollierte Handlungen und risikobereitem Verhalten?
  • Dient Sex der Flucht aus Problemen oder der Kompensation von unangenehmen Gefühlen?
  • Haben Sie den Eindruck immer stärkere Reize zu benötigen um die entsprechende Befriedigung zu erreichen?
  • Begeben Sie sich in ein für sie nicht adäquates Milieu?
  • Lügen Sie aktiv oder passiv in Ihrer Partnerschaft oder im Freundeskreis um ihr sexuelles Verhalten zu vertuschen?
  • Geht es Ihnen nach dem Sex schlecht und plagen Sie Schuldgefühle?
  • Haben Sie den Eindruck, dass sie die Kontrolle über ihre Sexualität teilweise verlieren und das sexuelle Verlangen stärker ist als Sie selber?
  • Sind Sie mit dem Gesetzt in Konflikt gekommen auf Grund Ihrer sexuellen Handlungen?
  • Haben Sie sich durch Ihr Sexualverhalten jemals erniedrigt gefühlt?

Ziel bei der Sexsucht ist es wieder eine gesunde, wirklichkeitsnahe und beziehungsorientierte Sexualität zu entwickeln. Dabei hat sich bewährt eine Abstinenzphase von 3 Monaten einzuhalten. Die Definition der Abstinenz ist von Fall zu Fall unterschiedlich, beinhaltet aber in der Regel alle suchtauslösenden Praktiken. Durch den Entzug wird oft erstmalig das Ausmaß der sexuellen Sucht sichtbar und spürbar. In dieser schwierigen Zeit tritt der Betroffene mit seinen Gefühlen vermehrt in Kontakt die hinter der Sucht verborgen waren. Angst, Reizbarkeit, Selbstzweifel, Verstimmungen gehören dazu ebenso wie Schlafstörungen mit sexuellen Träumen, Konzentrationsstörungen und Energielosigkeit dazu. Diese Phase ist in einem therapeutischen Setting oder in Selbsthilfegruppen leichter zu bewältigen.

Bei der Abstinenz ist zu beachten:

  • Trennung von Suchtauslösern (Internetfilter, Kindersicherung Handy), Löschen von Pornomaterial, Abmelden von Internetforen, Löschen von Profilen. Entfernen von Sexspielzeugen, Email-Verläufen, Briefen, Fotos von Sexpartner. Auslösesituationen vermeiden (Flanieren am Straßenstrich, alleine am PC sitzen, Orte aufsuchen wo Sexkontakte in der Vergangenheit stattfanden) etc.
  • Aktive Auseinandersetzung mit dem Thema, lesen von Fachliteratur
  • Rituale Unterbrechen die mit sexuellem Verhalten einhergehen. Genaue Analyse der Situation, der Gedanken, der körperlichen Reaktionen und der Konsequenzen, um die Chance zu erhöhen, dass Abstinenz durchgeführt werden kann.
  • Beeinflussung von sexuellen Gedanken durch verschiedene Techniken aus der Psychotherapie (Gedanken-Stopp, Abbrechen von Handlungen, Externalisieren von Gedanken, Gedanken umformen etc.).
  • Einsatz in Partnerschaft, Beruf, Familie: die Zeit die Ihnen zur Verfügung steht wieder in nachhaltige zwischenmenschliche Beziehungen einbringen. Aktivitäten mit anderen planen, Raus aus der Isolation. Tagesstruktur einführen, auf Sport, gesunde Ernährung achten.
  • Weg von einem Vermeidungsziel hin zu einem Anstrebungsziel, wofür es sich lohnt den Aufwand zu betreiben.

Ganz wichtig dabei ist auch wie der Partner reagiert, denn Sucht hat systemische Auswirkungen. Wie wird mit Rückfällen umgegangen? Wie kann in der Partnerschaft langsam wieder Vertrauen aufgebaut werden? Mit wem kann ich meine Sorgen und Ängste teilen? Welche Innensicht auf die Partnerschaft führen wir durch? 

Oftmals ist eine therapeutische Hilfe sinnvoll oder sogar notwendig. Dabei kann es hilfreich sein, dass die Partner mit in den Prozess einbezogen werden. Für Partner ist die Aufdeckung oft eine sehr große Enttäuschung und Anpassungsstörungen mit den daraus auch partnerschaftlich resultierenden Konflikten sind an der Tagesordnung. Es ist gut mit Experten zu sprechen, um Themen zu sortieren, Kenntnisse über die Erkrankung zu erhalten und das eigenes Verhalten zu hinterfragen. Viele Betroffene führen parallel dazu eine begleitende Paartherapie durch.

Ausgesprochen hilfreich als wichtiger Baustein hat sich aus meiner Erfahrung eine suchtspezifische Arbeit über Bildern und Metaphern im Rahmen moderner Hypnotherapie erwiesen. Hier können zielgerichtet Heilungsprozesse alter Traumata aus der Vergangenheit angestoßen werden. Zudem wird der Blick auf Ressourcen gelenkt, um den Betroffenen etwas an die Hand zu geben, mit dem Sie auch tagtäglich und praktisch arbeiten können. Dies hat eine unmittelbar positive Auswirkung auf den Suchtdruck und angestrebten Genesungsprozess.

Das Thema Sexsucht ist ein häufiges Thema in meiner Praxis und ich würde mich freuen Ihnen behilflich sein zu können.

Dr. med. Heike Melzer
Arzt Praxis für Coaching & Psychotherapie — Paar- und Sexualtherapie

Paradiesstr. 9
80538 München
Anfahrt →

089-55278322
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