Vorzeitiger Samenerguss – Ejaculato praecox

Bei dem vorzeitigen Samenerguss kommt die Ejakulation beständig zu schnell und unkontrolliert, was zu einer Reihe von persönlichen und partnerschaftlichen Problemen führen kann. Sie ist die häufigste Störung des Orgasmus und betrifft ca. jeden 5. Mann mehr oder weniger ausgeprägt.

Man unterscheidet zwei Formen:

a.) eine lebenslange primäre Form, welche die Sexualität und auch Masturbation von Anbeginn betrifft und deren Ursache vorwiegend neurobiologisch oder genetisch bedingt ist.

b) eine erworbene sekundäre Form, bei der die Störung nach einer Phase mit einer als normal empfundenen Ejakulation auftritt und deren Ursache vorwiegend organisch bedingt ist. Grunderkrankungen der Schilddrüse, Entzündung der Harnröhre oder Prostata sollten abgeklärt werden.

Vorzeitiger Samenerguss wird je nach Kultur als Störung oder als Beweis hoher Potenz angesehen. Auch im Tierreich ist der schnelle Höhepunkt instinktiv normal und dient der Arterhaltung. Eine Fokussierung des Sexualaktes auf Eindringzeit bis zur Ejakulation oder Anzahl der Stöße bis zur Ejakulation wird dem komplexen Unterfangen Sexualität und Erotik nicht gerecht. Ein erfüllter Liebesakt ist eher ein Produkt aus Kreativität, Flexibilität und Experimentierfreude, um mit den vorhandenen Gegebenheiten entspannt und mit Leichtigkeit in einer vertrauten Umgebung zu genießen. Die leistungsorientierten Bilder der Pornoindustrie und falsche Mythen über Sexualität führen zu einem enormen Performancedruck aller Beteiligte. Der Ergebnis: Angst, Minderwertigkeitsgefühle und Stress, was sich häufig ungünstig auf die Symptomatik vorzeitiger Samenerguss auswirkt.

Therapeutische Interventionen, die Sie selber versuchen können:

  • Partner frühzeitig mit einbeziehen:
    Sprechen Sie offen in der Beziehung über das Thema und versuchen Sie nicht aus Scham wie die Katze um den heißen Brei herum zu laufen. Ihre Haltung ist dabei wichtig, nicht mit gesenktem Kopf im Sinne: „sorry – ich habe da eine Störung“ sondern mit Kopf nach oben und Blick geradeaus: „so ist das bei mir“. Es bedarf eines Abgleich an Vorlieben, nicht jeder Partner steht auf einen langen ausgedehnten Geschlechtsverkehr. Auch im Rahmen einer Sexualtherapie kann die Einbeziehung des Partners sinnvoll sein.
  • Stress reduzieren:
    Stress verschlechtert die Symptomatik beim vorzeitigen Samenerguss. Achten Sie auf eine ausreichende Work-Life-Balance mit allem was dazu gehört: Sport, Hobbies, Freundeskreis, Ernährung, Alkohol usw. Gehen Sie Achtsam mit dem Augenblick um und versuchen Sie mit allen Sinnen das Hier und Jetzt auszukosten. Schaffen Sie sich Freiräume für sich und Ihre Partnerschaft um der Hektik des Alltags zu entfliehen.
  • Ablenkung:
    Wenn die Erregung schnell stark ansteigt, dann achten Sie auf ihr Kopfkino. Hier sollten nicht die schärfsten Filme drauf laufen welche die Erregung noch mehr anheizen sondern denken Sie an weniger erotische Inhalte, die ihnen ermöglicht wieder einen Gang zurück zu lassen.
  • Zeitliches Timing des Vorspiels:
    Das Vorspiel des Partners sollte ausgiebig gestaltet werden, Küssen, Cunnilingus, Streicheln. Das eigene Vorspiel sollte jedoch so minimal ausfallen wie möglich, denn eine starke Erregung im Vorspiel erhöhte die Wahrscheinlichkeit einer vorzeitigen Ejakulation.
  • Masturbation vorab:
    Nach einem Orgasmus ist die Zeit bis zum Erreichen eines erneuten Orgasmus in der Regel verlängert, und dies kann gezielt genutzt werden. Durch Masturbieren oder Petting vor dem eigentlichen Sex kann schon mal etwas Druck abgelassen werden.
  • Ejakulationskontrolle durch „Start-Stopp-Methode“:
    Bei der Masturbation wird kurz vor dem „Point of no return“ innegehalten. Erst wenn der Ejakulationsreflex verschwunden ist kann weiter masturbiert werden. Die Übung kann initial alleine geübt werden und im weiteren Verlauf auch als partnerschaftliche Übung eingebaut werden. Wichtig ist es die Kontrolle über den Ejakulationsreflex zurück zu gewinnen.
  • Slow Sex:
    Nehmen Sie Geschwindigkeit heraus und lassen Sie sich Zeit. Sexuelle Erregung bewusst langsam entstehen lassen und dann stufenweise steigern. Immer wieder vor dem „Point of no return“ stoppen und sich langsam an immer intensivere Stimulation heran wagen.
  • „Squeeze-Technik“:
    Kurz vor der Ejakulation kann durch eine gezielte Quetschung des Penis der Ejakulationsreflex unterbrochen werden. Die Finger liegen dabei oben auf dem Schaft und der Daumen drück von unten gegen den Harnleiter oder es wird Druck zwischen Hodensack und After mit den Fingern ausgeübt. Der Druck sollte mehrere Sekunden anhalten und nach ca. 20 Sekunden kann mit der Stimulation fortgesetzt werden. Diese Übung sollte initial alleine durchgeführt werden, kann aber später auch als partnerschaftliche Übung in verschiedenen Variationen durchgeführt werden.
  • Training der Beckenbodenmuskulatur:
    Unterbindung der Ejakulation durch eine kräftige Anspannung der Beckenbodenmuskulatur kurz vor der Ejakulation. Gezielte Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskeln können hier hilfreich sein
  • Stellung beachten:
    Stellungen bei denen die Frau besonders eng während des Aktes ist sollen vermieden werden. Je nach anatomischer Variante kann dies beim „doggy-style“ der Fall sein, während sich die Frau bei der Missionarsstellung weiter öffnet.
  • Erhöhung der Reizschwelle:
    Dies kann durch die Verwendung von Kondomen ebenso wie durch Sprays oder Gele mit lokal betäubenden Inhaltsstoffen geschehen. Als Betäubungsmittel eignet sich ein Gemisch aus Prilocain-Lidocain . Eingecremt wird die Eichel und Vorhaut einige Minuten vor dem Akt. Es empfiehlt sich danach die Verwendung eines Kondoms um die Creme nicht auf den Partner zu übertragen.
  • Medikation:
    Es gibt in Deutschland ein oral wirksames und verschreibungspflichtiges Medikament mit dem Wirkstoff Dapoxetin (Priligy) welches ca. 1-3 Std. vor dem Sex eingenommen zu einer signifikanten Verlängerung der Ejakulation und Verbesserung der Kontrolle führt. Priligy wirkt sowohl bei der primären als auch sekundären Form des vorzeitigen Samenergusses. Die Therapie ist rein symptomatisch und das Medikament ist verschreibungspflichtig.
  • Sexualtherapie/Paartherapie:
    Es kann sinnvoll sein gezielt die Expertise eines erfahrenen Therapeuten auf dem Gebiet der Sexual- und Paartherapie mit einzubeziehen. Im besten Fall einem Mediziner, da er auch das verschreibungspflichtige Medikament Priligy verordnen kann.

Die Kosten einer Psychotherapie werden bei entsprechender Indikationsstellung von der Krankenkasse übernommen.

Dr. med. Heike Melzer
Arzt Praxis für Coaching & Psychotherapie — Paar- und Sexualtherapie

Paradiesstr. 9
80538 München
Anfahrt →

089-55278322
E-Mail schreiben

 

 

 

 

 
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